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Lichthafen Geschichte: Tyori Sal'dalar • Schattenhain

Geschichte Tyori Sal'dalar
Nov
18

Lichthafen Geschichte: Tyori Sal’dalar

Ich schreibe den ersten Tag der Verdunkelung des Tageslichtes. Wie aus dem Nichts erschien das Schiff der Legion am Himmel, wie ein unangekündigtes Unwetter stahlen sie uns das Sonnenlicht. Niemand realisierte, was geschehen ist. Würde das Schiff weiterziehen? Wäre das bereits das Ende des Königreiches? Das kann es unmöglich gewesen sein, ich bin erst vor wenigen Wochen hier angekommen. Ich will nicht erneut meine Heimat verlieren, nicht erneut dem Untergang selbst ins Auge blicken müssen. Zu viel hat diese Magie, zu viel hat die Legion bereits zerstört.

Gewiss werden wir nicht fallen. Es war unmöglich. Wir haben Spezialisten aller Art, ehemalige Weltenwanderer, Magier aller Schulen, Krieger mit Jahrzehnten an Erfahrung. Es wäre eine Tragödie, wenn wir fallen würden. Ich bin noch nicht lange hier, hörte jedoch von den Erzählungen der Wacht, der Insel, den Trollkriegen. Alles wurde überstanden, jede Bedrohung, jeder Feind.

Später kam es zu einem Kriegsrat der Wacht. Wir wurden alle ins Anwesen gerufen, eine vergleichsweise kleine Runde, in der es um den Verbleib der Wacht ging, die Zukunft in Anbetracht der Bedrohung.

Es war mir gleich, welches Ergebnis, welches Resultat der Rat hervorbringen würde. Flucht? Wenn es so sein muss, bitte. Oder sollte es ein Krieg gegen die Legion selbst sein? Unwichtig welche Entscheidung fallen mag, Ich werde bleiben, so lang es nur möglich wäre. Alle teilten diese Meinung, so hoffte ich. Jeder der kämpfen kann, würde für seine Heimat einstehen, das lernte ich hier. Diesen Eindruck hat mir die Wacht vermittelt.

Wir kamen zu dem dem Entschluss, dass es am sinnigsten wäre den Evakuierungsbefehl der Stadt zu befolgen. So begannen wir damit die Evakuierung soweit vorzubereiten, dass wir im Falle einer Niederlage flüchten könnten. Mitglieder der Jäger, Druiden und andere Flüchtige der Stadt und des Waldes suchten die Wacht auf. Alte, Schwache, Kranke, Frauen und Kinder wurden bereits zu den Schiffen gebracht. Beladen mit Vorräten waren sie bereit die Insel zu verlassen, die neutralen Häfen anzusteuern. Dort können sie ein neues Leben beginnen und zurückkehren, wenn die Legion besiegt wäre.

Der Rest, der gewillt war zu bleiben, verweilte auf der Wacht, um die Insel zu verteidigen, sie zu schützen, soweit es nur möglich war. Niemand von uns wusste wann die Verdammnis über uns kommen würde. Niemand wusste, wann die fliegenden Mechaniken der Legion Ihre Salven auf uns niederregnen würden.

Die Stimmung war verhalten, die Angst vor der Ungewissheit plagte uns. Wie wird es uns ergehen? Wäre es überhaupt möglich diese Insel zu retten? Wir wussten es nicht, doch wir wollten es wagen. In Schichten wechselten sich die Posten an der Mauer ab, während der Rest darauf wartete, dass sich die Heerscharen der Legion vor den Mauern versammelten. Tage sollten vergehen, bevor es soweit war.

 

Vier Tage sind seit meinem letzten Eintrag vergangen, Tage der Ungewissheit. Es rührte sich nichts, abgesehen von den Blitzen am Himmel. Die drohende Präsenz schwebte über uns, ohne weitere Gefahr zu verkünden. Doch langsam, Stück um Stück, versammelten sich die Truppen der Netherbrut vor unseren Mauern. Derweil stand ein letztes Schiff bereit, um den Rückzug zu sichern, falls alles schiefging, falls alles die Bram runtergehen sollte.

Doch das würde es gewiss nicht, so entschlossen wie sich die letzten Kräfte hier versammelt hatten. Viele fragten sich, warum die Legion uns überhaupt als Bedrohung sieht. Oder waren wir einfach nur im Weg? Eine Frage, die durchaus berechtigt war und doch nur eine Frage, die keine Rolle mehr spielte. Wir waren zuversichtlich! Das war unsere Heimat, unser Leben. Unser Neuanfang, fernab von dem, was auf dem Festland geschah.

Gerüstet warteten wir auf den Vorstoß. Ein grüner Meteor ging zu Boden, kein Treffer, so dachten wir. Die Streitkraft der Wacht wurden verschont, denn er zertrümmerte das Tor, als wäre es ein aus Sand entstandener Staudamm eines Kindes, welches einen Bach daran hindern wollte ins Meer zu fließen. Feuer und Stein wurden regelrecht verschlungen. Noch während der Einschlag des Blitzes uns blendete, ertönten die Schreie der Kreaturen vor der anderen Seite der Mauer. Der Ansturm begann. Projektile aller Art streckten die ersten Wellen der Angreifer nieder. Ein Aufschub, mehr nicht. So sollten wir uns der Macht stellen, die darauf zielte, sämtliches Leben im Keim zu ersticken.

Immer wieder sah man, wie sich Verwundete durch die Reihen zurück zogen, wie sie von Ärzten und Heilern zu den Schiffen gebracht wurden. Der Klang von aufeinander treffendem Metall erfüllt die Luft, gepaart mit den Todesschreien derjenigen, die an diese Insel glaubten. Rauch trübte unsere Sinne. Ohrenbetäubend wirkte der Lärm weiterer Einschläge, als seien es Höllenbestien oder Geschosse des Schiffes selbst. Es war vorbei. Wenige blieben, um die Streitkräfte zurückzuhalten, während der Großteil sich auf zu dem Schiff machte. Dem Befehl schlussendlich folgend, war die Insel verloren. Sollte es das gewesen sein? Alle die Mühen der Vortage, der vorherigen Jahre, all das Blut der Gardisten, die für die Freiheit der Insel ihr Leben gelassen haben? Vergebens. Ein Tropfen auf dem durch Felfeuer erhitzten Stein.

Die Stimmung auf meinem Schiff selbst war gedrückt, die Enttäuschung über das eigene Versagen obsiegt. Es herrschte Ungewissheit. Was würde nun folgen? Würden wir jemals zurückkehren, um Lichthafen wieder zu gewinnen? Oder war dies das Ende? Mit dem letzten Funken an Hoffnung, der in uns verblieb, warteten wir auf Kunde der Krone, auf Nachrichten, die uns sagen würden, wie es weitergehen würde.